Weltweit sind Unternehmen immer stärker von Cyberangriffen bedroht. Ein zentraler Treiber ist Künstliche Intelligenz, die heute praktisch jedem zur Verfügung steht. Die Hürden für Cyberangreifer werden immer niedriger, die Geschwindigkeit, Skalierung und der Grad an Automatisierung nehmen enorm zu, wie auch aus einem Sicherheitshinweis des BSI aus dem Juni 2026 hervorgeht.
Dieser Blog-Beitrag zeigt, über welche Angriffswege Cyberkriminelle mit KI in Unternehmen eindringen und welche Rolle die Technologie an den einzelnen Ansatzpunkten spielt.
Überblick über Angriffspunkte
Ein Unternehmen setzt sich aus vielen unterschiedlichen Komponenten, die Angreifer als Angriffspunkte ausnutzen können. Diese könnte man aufteilen in die Faktoren
- Mensch, das heißt Mitarbeitende, Führungskräfte, Administratoren, usw.
- Organisation bestehend aus Prozessen, Richtlinien und organisatorischen Strukturen
- Server und Dienste, inklusive des direkten aus dem Internet erreichbaren Netzperimeters (z.B. Firewall, VPN) oder auch interne Dienste
- Software wie Betriebssysteme, Browser, Fachanwendungen
- Gebäude und Hardware, die sich auf mehrere Standorte verteilt und auch besonders schützenswerte Bereiche wie Technikräume mit einschließt.
Darüber hinaus ist ein Unternehmen meist nicht für sich stehend, sondern hat vertrauenswürdige Beziehungen zu Partnern und Partnerunternehmen oder ist von öffentlichen Quellen wie beispielsweise Open-Source-Projekten, deren Software es einsetzt, abhängig. Hinzu kommt also noch der Faktor
- Partner und Zulieferer wie Dienstleister, Softwarelieferanten, Fernwartung oder Cloud-Anbieter.
Für diese unterschiedlichen Komponenten gibt es für Angreifern unterschiedliche Angriffsmethoden, die ihre jeweiligen Schwächen ausnutzen sollen und die im Folgenden näher beleuchtet werden.
Angriffswege von Cyberkriminelle im Detail
Social-Engineering
Noch immer mit am häufigsten ausgenutzt wird der Faktor Mensch. Die Angriffsmethode heißt Social-Engineering. Angreifer versuchen also über verschiedene Kanäle direkt an Zugänge oder Informationen aus dem Unternehmen über Menschen zu gelangen.
Der wohl immer noch häufigste Fall ist dabei das E-Mail-Phishing, in dem Angreifer eine vermeintlich vertrauensvolle Gegenstelle vorgaukeln (z.B. die Bank, den Vorgesetzten, einen Kollegen), um das ausgewählte Opfer zur Herausgabe von sensiblen Informationen wie Zugangsdaten zu bewegen. Oft über gefälschte Websites und Anmeldemasken zu vertrauten Diensten. Die Angriffe finden aber bei weitem nicht nur per E-Mail statt, sondern können auch telefonisch oder über Videokonferenz-Software, per SMS oder Messenger, QR-Codes und viele weitere Kanäle stattfinden.
Der Kreativität sind hier kaum Grenzen gesetzt. Aktuelle „Trends“ sind beispielsweise auch die ClickFix/TerminalFix-Angriffskampagnen aus den letzten Monaten. Angreifer versuchen hier nicht über eine Anmeldemaske Credentials abzugreifen, sondern schicken die User auf eine vermeintlich valide Website, auf der sie ein Captcha lösen sollen. Anstatt Busse auf Bildern auszuwählen oder Zahlen abzutippen, sollen sie jedoch auf ihrem PC einen Befehl ausführen, den sie über die Website in die Zwischenablage kopiert haben. Die Folge ist der Download von Malware und Kompromittierung betroffener PCs.
KI beschleunigt auch diese Angriffe und verbessert ihre Qualität. Wo man früher Phishing-Mails noch anhand ihrer krummen Sätze erkennen konnte, ist heute eine Phishing-Mail durch KI besser an ihre Opfer angepasst, enthält keine Rechtschreibfehler mehr und ist deutlich schneller generiert. KI baut gefälschte Websites mit Anmeldemasken in Sekunden oder hilft mittels Deep-Fakes Angreifern dabei, Betrug über Videokonferenzen noch glaubhafter zu machen.
Der andere aktuell massiv ausgenutzte Angriffsweg ist der über den Netzperimeter eines Unternehmens: Seine nach außen gerichtete IT-Infrastruktur wie Firewalls und IT-Dienste. Exploits nutzen hier bekannte Schwachstellen aus, die in Software vorhanden ist und noch nicht durch die Betreiber geschlossen wurde. Dabei unterscheidet man zwischen unterschiedlichen Begriffen für Schwachstellen:
Exploits
- Zero-Day-Schwachstellen: Lücken, für die es noch keine Patches gibt
- N-Day: Lücken, für die es Patches gibt, aber der Betreiber sie noch nicht eingespielt hat.
- Patch-Gaps: Patches existieren, sind aber noch nicht in den neuen Software-Releases eingebaut.
In den letzten Monaten konnte man eine sehr starke Verschiebung von anderen Angriffswegen in Richtung Netzperimeter beobachten. Das ist eines der Resultate des Erfolgs aktueller KI-Modelle beim Auffinden von Software-Schwachstellen und Entwicklung von Exploits. Was früher IT-Security-Spezialisten in vergleichsweise langer Zeit händisch gemacht haben, passiert nun auch durch Personen ohne entsprechendes Know-How in viel kürzerer Zeit. KI unterstützt Angreifer aber nicht nur bei der Entwicklung von Exploits, sondern auch dabei, Angriffe massiv zu automatisieren. Ein Fall ist dabei diesen Sommer bekannt geworden, in dem Cybercrime-Akteure mit Hilfe von Open-Source-KI-Agenten und mehreren KI-Modellen mit vergleichsweise geringen Kosten von 18.000 US$ mutmaßlich mehr als 600.000 Kreditkartendaten über eine automatisierte Angriffsinfrastruktur auf Online-Shops ergattert haben. Das ist auch kein Einzelfall, sondern mittels KI-Agenten automatisierte Angriffssysteme sind in diesem Jahr bereits öfter bekanntgeworden.
Lieferkettenangriffe
Ein ebenfalls stark wachsendes Angriffsfeld ist das der Lieferkettenangriffe. Hier versuchen Angreifer ein Zielunternehmen nicht direkt anzugreifen, sondern es über seine Partner- und Zulieferer-Beziehungen zu kompromittieren. Lohnende Ziele sind natürlich auch Unternehmen oder Projekte, die von vielen genutzt werden – beispielsweise einige Open-Source-Projekte. Ihre Kompromittierung zieht dann oft eine große Zahl weiterer Opfer nach sich. Lieferkettenangriffe geschehen oft durch die Manipulation von Software aber auch Hardware und/oder den Missbrauch von Fernwartungszugängen. Aktuelle Beispiele für Lieferkettenangriffe sind die Kompromittierung des Schwachstellenscanners Trivy, der die Kompromittierung vieler weiterer Projekte nach sich gezogen hat oder auch die aktuellen Shai-Hulid/Miasma-Kampagnen.KI ist auch natürlich auch bei diesem Angriffsweg ein starker Treiber. Sie erlauben es beispielsweise in kurzer Zeit Programmcode so unscheinbar zu manipulieren, dass eine Kompromittierung kaum auffällt und so immer wieder in Umlauf kommt.
Physische Angriffe
Ein weiteres Feld, das im Kontext IT-Sicherheit manchmal vergessen wird, ist das der physischen Angriffe auf Gebäude oder IT-Hardware. Unsichere Türen oder Fenster, fehlende (Video-) Überwachung am Standort oder auch fehlende Zutrittsprotokollierung werden immer noch von Angreifern ausgenutzt. Offene Netzdosen oder USB-Schnittstellen, unverschlüsselte Festplatten auf mobilen Geräten: Das alles lässt sich vor Ort ausnutzen und die Auswirkungen können ebenfalls katastrophal sein.
KI verstärkt auch hier die Gefahr und hilft Angreifern beispielsweise bei der Aufklärung eines Standorts durch eine effiziente Websuche und Auswertung von Bildern auf sozialen Medien oder baut Mitarbeiterausweise täuschend echt nach.
Eigener Angriffsweg: KI-Systeme im Unternehmen
Auch darf man nicht vergessen, dass KI selbst Software ist und Schwachstellen hat und einen Weg ins Unternehmen darstellen kann. Beispielsweise wenn die KI automatisiert eingehende Mails auswertet oder es einen KI-Telefonservice für Kunden gibt. KI ist selbst manipulierbar beispielsweise durch Prompt-Injection und KI-Systeme müssen daher selbst abgesichert und gehärtet werden. Auch ist bereits öfter vorgekommen, dass sich KI-Agenten für Menschen nicht nachvollziehbar verhalten und beispielsweise Dateien löschen. Eine andere Gefahr ist Schatten-KI, also die Nutzung ungenehmigter KI-Tools von Mitarbeitenden. Diese lässt sich in der Praxis technisch kaum unterbinden, da heute so gut wie jeder Mensch bereit auf seinem privaten Smartphone KI-Tools vorinstalliert hat, die auch gerne genutzt werden. Hier droht unkontrollierter Datenabfluss (Leaks) sensibler Informationen aus dem Unternehmen.
Daten-Leaks
Daten-Leaks können die Folge jeder der vorher angesprochenen Angriffsarten sein. Sie kann man als Rückschleife in die Angriffswege betrachten. Wenn sensible Informationen wie Zugangsdaten aus einem Unternehmen abfließen, dann sind sie Futter für den nächsten Angriff. Sie können dabei helfen, die nächste Phishing-Mail noch besser an das Opfer zuzuschneiden oder können sensible Netz- oder Konfigurationspläne enthalten, die neue Schwachstellen offenlegen.
KI hilft auch hier den Angreifern wieder, diese Leaks auszuwerten und direkt zu nutzen und das in einer Geschwindigkeit, die es so vorher noch nicht gab.
Angriffswege in Unternehmen – Fazit
Angriffswege in Unternehmen können ganz unterschiedlich gestaltet sein und müssen ganzheitlich abgesichert werden. Ist ein Unternehmen Opfer eines erfolgreichen Angriffs geworden, ist das nicht das Ende der Bedrohung, sondern verstärkt diese vielmehr. Angreifer könnten Backdoors eingerichtet oder Daten geleakt haben, die den Folgeangriff noch einfacher machen. Die Absicherung gegen solche Angriffe ist immer in den Dimensionen Prävention, Detektion und Reaktion zu betrachten und ist vielfältig und der Einsatz von KI durch die Angreifer hat zur Folge, dass Schwachstellen durch Unternehmen und Personen schnell erkannt und geschlossen werden müssen. Das gilt aktuell im Besonderen für Schwachstellen im Netzperimeter, die aktuell massiv automatisiert ausgenutzt werden. Auch muss man sich Gedanken machen, was ein erfolgreicher Angriff (z.B. auf einen IT-Dienst im Netzperimeter) bedeuten würde und direkt schadensminimierende Maßnahmen einfließen lassen.
Wer IT-Sicherheit und Schwachstellen versteht, kann Bedrohungen besser bewerten und gezielt reagieren. Ein risikogetriebener Ansatz berücksichtigt Bedrohungen, Schwachstellen, Gefährdungen und Unternehmensrisiken. März Datenverarbeitung und Specific-Group unterstützen Sie bei der Bewertung Ihres IT-Sicherheitsstandards sowie bei sicheren, modernen Software- und Netzlösungen.
Dieser Beitrag gehört zur Webinarreihe „Bedrohungslage im Cybersecuritybereich“. Verpasst? Hier finden Sie die Q3-Aufzeichnung zur Vertiefung Ihres Wissens über aktuelle IT-Sicherheitsrisiken und Schwachstellen. Weitere Grundlagen zu Angreifertypen und Schwachstellen erkennen finden Sie im Blog.


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