RPG-Anwendungen auf IBM i bilden in vielen Unternehmen das Rückgrat geschäftskritischer Prozesse. Die Plattform überzeugt seit Jahrzehnten durch Stabilität und Sicherheit. Doch RPG-Experten werden seltener, Codebasen wachsen unkontrolliert, und neue Anforderungen an Schnittstellen und Oberflächen nehmen zu. Wer RPG-Anwendungen auf IBM i modernisieren will, muss die Plattform dafür nicht ablösen.
Auf einen Blick: RPG-Anwendungen lassen sich schrittweise modernisieren, ohne die IBM-i-Plattform aufzugeben oder den laufenden Betrieb zu gefährden. Laut Fortra IBM i Marketplace Survey 2026 ist der Fachkräftemangel bei RPG-Entwicklern inzwischen die größte Sorge der IBM-i-Community. DB2 for i und die bestehende Geschäftslogik bleiben bei einer Modernisierung erhalten, verändert wird nur die Architektur darum herum.
Warum sollten Unternehmen RPG-Anwendungen auf IBM i jetzt modernisieren?
Viele Unternehmen in Produktion, Logistik und Finanzwesen betreiben ihre geschäftskritischen Prozesse seit Jahrzehnten stabil auf IBM i. Die Plattform überzeugt durch Zuverlässigkeit, Performance und ein ausgereiftes Sicherheitsmodell. Gleichzeitig wächst der Druck von mehreren Seiten. RPG-Experten gehen in den Ruhestand. Die Codebasis ist über Jahre gewachsen und häufig schlecht dokumentiert. Neue Anforderungen an Schnittstellen, mobile Oberflächen und Regularien wie NIS2 oder DORA verlangen nach gezielter Weiterentwicklung.
Eine Modernisierung der Anwendungsarchitektur reicht in den meisten Fällen aus, um diese Anforderungen zu erfüllen. Die Plattform selbst muss dafür nicht ersetzt werden.
Was bedeutet RPG-Modernisierung auf IBM i konkret?
RPG-Modernisierung beschreibt den Prozess, bestehende RPG-Anwendungen technisch weiterzuentwickeln, ohne die IBM-i-Plattform als Ganzes abzulösen. Typische Maßnahmen umfassen drei Bereiche: die Umstellung von Fixed-Format RPG auf FullyFree RPG-Code, den Aufbau einer API-Schicht mit REST-APIs für moderne Integrationen sowie den Ersatz veralteter Oberflächen durch moderne Webfrontends.
Die Geschäftslogik in den RPG-Programmen bleibt dabei erhalten. DB2 for i dient weiterhin als Datenbank. Bestehende Sicherheits- und Hochverfügbarkeitskonzepte werden in die neue Architektur übernommen. Das unterscheidet die Modernisierung klar von einer vollständigen Migration, bei der die gesamte Anwendung auf eine neue Plattform übertragen wird.
Wie groß ist der Fachkräftemangel bei RPG-Entwicklern wirklich?
Die Fortra IBM i Marketplace Survey 2026 liefert dazu klare Zahlen: 69 Prozent der Befragten nannten IBM-i-Skills als ihre größte Sorge. Damit hat das Thema Fachkräfte erstmals in der zwölfjährigen Geschichte der Umfrage die Cybersicherheit vom ersten Platz verdrängt.
Der Grund ist strukturell. Viele RPG-Spezialisten gehören zur Babyboomer-Generation und nähern sich dem Rentenalter. Das Wissen über gewachsene Codebasen konzentriert sich häufig auf wenige Personen. Verlassen diese das Unternehmen, entsteht eine Wissenslücke, die sich nur schwer schließen lässt. Gleichzeitig bilden kaum noch Hochschulen gezielt für IBM i aus, sodass der Nachwuchs an RPG-Entwicklern langsamer wächst als der Bedarf.
Eine reine Personalsuche reicht als Strategie nicht mehr aus. Sinnvoller sind drei Hebel:
- Automatisierte Code-Dokumentation, die Wissen unabhängig von einzelnen Personen sichert
- KI-gestützte Analyse-Tools, die Abhängigkeiten und Risiken sichtbar machen
- Die schrittweise Überführung von RPG-Code in wartbare, gut strukturierte Architekturen
Warum lohnt sich eine Modernisierung ohne Plattformwechsel?
IBM i gehört zu den stabilsten und sichersten Plattformen in der Unternehmens-IT. Die integrierte DB2-for-i-Datenbank, das objektbasierte Dateisystem und ausgereifte Hochverfügbarkeitsmechanismen sind über Jahrzehnte gereift.
Ein vollständiger Plattformwechsel birgt erhebliche Risiken: hohe Kosten (mehr dazu: ROI bei der Modernisierung von Bestandssystemen), lange Projektlaufzeiten, aufwendige Datenmigration, Unterbrechungen im Tagesgeschäft und den möglichen Verlust von Geschäftslogik, die tief im RPG-Code verankert ist. Die Alternative ist eine gezielte Modernisierung der Anwendungsarchitektur auf der bestehenden Plattform. Unternehmen behalten die Stärken von IBM i, öffnen das System für moderne Technologien und vermeiden die Risiken eines Big-Bang-Wechsels.
Welche Ansätze zur RPG-Modernisierung gibt es am Markt?
Am Markt existieren verschiedene Ansätze zur RPG-Modernisierung. watsonx Code Assistant von IBM analysiert RPG-Code mithilfe von KI und konvertiert ihn in modernere Sprachen wie Java. ARCAD Software fokussiert sich auf DevOps und Application Lifecycle Management für IBM i. Profound Logic überführt RPG-Anwendungen in Node.js-basierte Webanwendungen. Eradani setzt auf API- und Integrationslösungen für IBM-i-Umgebungen. Programmers.io positioniert sich als Personaldienstleister mit RPG-Spezialisten.
Jeder dieser Ansätze hat einen spezifischen Fokus. Specific-Group deckt dagegen den gesamten Lebenszyklus einer Legacy-Anwendung ab: von der ersten Code-Analyse über laufende Wartung und Hosting bis zur vollständigen Modernisierung. Kernstück ist die eigene Plattform Ozgar.ai, die RPG-Code und DB2-for-i-Schemas KI-gestützt analysiert und nach dem 7R-Modell bewertet, welcher Modernisierungspfad je Modul sinnvoll ist. Während der Umstellungsphase überwacht die integrierte Komponente Amonga den Parallelbetrieb von Alt- und Neusystem und macht Abweichungen im Hybridbetrieb frühzeitig sichtbar.
Welche regulatorischen Anforderungen betreffen IBM-i-Umgebungen?
Regulatorische Vorgaben wie NIS2, DORA und ISO 27001 betreffen zunehmend auch IBM-i-Umgebungen. Verarbeiten RPG-Anwendungen geschäftskritische Daten, muss nachgewiesen werden, dass Zugriffskontrollen, Audit-Trails und Sicherheitsmaßnahmen aktuellen Standards entsprechen.
Eine modernisierte Architektur erleichtert diese Nachweispflichten erheblich. Klare Rollentrennung, dokumentierte Schnittstellen und versionierte APIs schaffen die Transparenz, die Auditoren erwarten. Eine saubere Code-Dokumentation hilft zusätzlich, Compliance-Anforderungen schneller zu erfüllen, da jederzeit gezeigt werden kann, welche Module welche Daten verarbeiten und welche Geschäftsregeln gelten.
Häufige Fragen zur RPG-Modernisierung auf IBM i
Muss ich meine IBM-i-Plattform ersetzen, um RPG-Anwendungen zu modernisieren?
Nein, eine Modernisierung erfordert in der Regel keinen Plattformwechsel. Sie betrifft die Anwendungsarchitektur, nicht die zugrunde liegende IBM-i-Plattform. DB2 for i, bestehende Sicherheitskonzepte und Hochverfügbarkeitsmechanismen bleiben dabei erhalten. Unternehmen ersetzen typischerweise nur veraltete Oberflächen und Schnittstellen, während Datenbank und Geschäftslogik unverändert bleiben.
Wie lange dauert eine typische RPG-Modernisierung?
Die Dauer hängt stark vom Umfang der Codebasis und der gewählten Strategie ab. Erste sichtbare Ergebnisse, etwa ein modernisiertes Frontend für ein einzelnes Modul, lassen sich häufig innerhalb weniger Monate erzielen. Eine vollständige Modernisierung komplexer Systeme verläuft meist in mehreren Phasen und kann sich über ein bis zwei Jahre erstrecken. Ein phasenweises Vorgehen reduziert das Projektrisiko gegenüber einem einmaligen Komplettumbau.
Kann ich bestehende Geschäftslogik bei der Modernisierung beibehalten?
Ja, bestehende Geschäftslogik lässt sich in der Regel vollständig erhalten. Sie wird analysiert, strukturiert dokumentiert und in eine wartbare Architektur überführt, statt neu geschrieben zu werden. Dieser Ansatz verhindert, dass über Jahre gewachsenes Fachwissen bei der Modernisierung verloren geht.
Fazit: Modernisierung statt Plattformwechsel
RPG-Anwendungen auf IBM i zu modernisieren bedeutet nicht, bewährte Systeme aufzugeben. Die Plattform bleibt, die Datenbank bleibt, die Geschäftslogik bleibt. Was sich ändert, ist die Architektur, die Wartbarkeit und die Integrationsfähigkeit der Anwendungen. Fachkräftemangel, steigende regulatorische Anforderungen und der Bedarf an modernen Schnittstellen machen diese Investition dringend.
Wie eine solche Modernisierung in der Praxis konkret abläuft, von der Code-Analyse bis zum modernen Webfrontend, zeigt der zweite Teil dieser Serie: RPG-Modernisierung auf IBM i Schritt für Schritt umsetzen.
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By Franz Zahn


By DI Dr. Christoph Auer
